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"Zu einem kräftigen und jungen Stamm herangewachsen" Landestreffen Bayern in Augsburg ein voller Erfolg

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer als Schirmherr und Festredner, insgesamt rund 4.000 Besucher, ein Kulturprogramm mit Teilnehmern aus dem gesamten Freistaat, und am zweiten Tag spielte auch noch das Wetter mit - das Bayerische Landestreffen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, das am 19. und 20. Juni unter dem Motto "Wurzeln schlagen - Gesellschaft stärken" bereits zum dritten Mal in Folge in Augsburg, in einem Festzelt auf dem Plärrergelände, stattfand, war auch diesmal ein voller Erfolg und trug dazu bei, die Anliegen der Deutschen aus Russland in die Öffentlichkeit zu tragen und sie als echte Bereicherung des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Bayern und der Bundesrepublik Deutschland zu präsentieren.
Tragende Säulen des Erfolgs waren erneut die Aktiven der Orts- und Kreisgruppe Augsburg mit ihrem Vorsitzenden Juri Heiser und dem ehrenamtlichen Geschäftsführer Karl Kromer an der Spitze. Unterstützung kam in erster Linie vom Augsburger Förderverein der Landsmannschaft und den Kollegen von der Landesgruppe Bayern mit ihrem Vorsitzenden Eduard Neuberger. Dankbar erwähnen darf man auch die Förderung des Treffens durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen über das "Haus des Deutschen Ostens" in München.
Juri Heiser konnte daher in seiner Begrüßungsrede bei der Feierstunde des ersten Tages seine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass sich die überregionalen Zusammenkünfte der Deutschen aus Russland in Augsburg zunehmend zu einem festen Bestandteil der politischen Landschaft in der Stadt und bayernweit entwickelt haben. Als Zeichen des Erfolges wertete er nicht nur die Mitwirkung des Ministerpräsidenten, sondern auch die stattliche Anzahl von Ehrengästen, die sich Zeit für die Deutschen aus Russland genommen hatten.
Die Vertreter der Orts- und Kreisgruppe Augsburg agieren ganz im Sinne des landsmannschaftlichen Integrationsprojektes "In Augsburg gemeinsam" und suchen die Zusammenarbeit mit allen Entscheidungsträgern der Stadt.
Besonders gut funktioniert die Zusammenarbeit mit Augsburgs Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl, der nicht zum ersten Mal Ehrengast einer Veranstaltung der Landsmannschaft in der Hauptstadt des bayerischen Regierungsbezirkes Schwaben war. Diesmal beteiligte er sich mit einer Ansprache an der Feierstunde des ersten Tages und stand am zweiten Tag gemeinsam mit seinem Sozial- und Jugendreferenten Max Weinkamm und dem Ordnungsreferenten Walter Böhm im Rahmen einer Bürgersprechstunde Rede und Antwort.
An beiden Tagen unterstrich der Oberbürgermeister die Bedeutung und den positiven Beitrag der rund 33.000 in Augsburg lebenden Deutschen aus Russland für das Leben der Stadt. An konkreten Angeboten unterbreitete er die kurz vor der Realisierung stehende Einrichtung eines Begegnungszentrums und die Beteilung an einer gemeinsamen Aktion der Landsmannschaft und der Oberbürgermeister der bayerischen Städte Erlangen und Ingolstadt, die sich für eine Verbesserung bei der Anerkennung von Qualifikationen und Berufsabschlüssen der Deutschen aus Russland einsetzen. Letzteres sei nötig, um deren Potentiale nutzen zu können und sie in angemessener Weise das Schicksal der Stadt mitbestimmen zu lassen.
Bereicherung für Bayern
Höhepunkt der Feierstunde war die immer wieder von lebhaftem Applaus unterbrochene Festrede des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.
Das Motto des Landestreffens, so Seehofer, beweise, dass die Deutschen aus Russland in ihrer neuen Heimat Bayern angekommen seien. Über eine halbe Million von ihnen hätten sich in Bayern neu und tief verwurzelt. Sie seien zu einem kräftigen und jungen Stamm herangewachsen, der den Freistaat bereichere und stärke. Ebenso wie die alteingesessenen Bayern seien auch die Deutschen aus Russland "Tiefwurzler", die stolz auf ihre Lebensart seien. Wörtlich richtete er den folgenden Appell an seine Zuhörer: "Vergessen Sie nie, wer Sie sind! Pflegen Sie Ihre Traditionen, Ihre Kultur, denn das gibt Halt, verleiht Mut und schafft Selbstbewusstsein!"
Mit ihrem Mut zu Neuem und ihrer Leistungsbereitschaft, so der Ministerpräsident weiter, seien die Deutschen aus Russland auch dem zweiten Teil des Mottos, "Gesellschaft stärken", gerecht geworden. Ebenso wie die Heimatvertriebenen hätten sie mit ihrem Willen, aktiv das eigene Leben und ihre Zukunft in der neuen Heimat zu gestalten, das Land stets vorangebracht.
Trotz aller Erfolge dürfe man jedoch nicht vergessen, dass es für die Deutschen aus Russland nicht immer leicht gewesen sei, sich in der Vielfalt des pluralistischen Gesellschaftssystems der Bundesrepublik zurechtzufinden. Nicht jeder von ihnen habe sofort Anschluss gefunden und nicht jeder arbeite in einem Beruf, der seinem Qualifikationsniveau entspreche. Hinzu kämen oftmals Sprachbarrieren, die sich als hinderlich bei der Eingliederung erweisen würden.
Schwerpunkte der bayerischen Integrationspolitik seien daher Maßnahmen geblieben, die die gesellschaftliche Teilhabe der Deutschen aus Russland weiter optimierten. Als Beispiel einer konkreten Fördermaßnahme erwähnte Seehofer das bayerische Sprachberaterprogramm, das bei der Frühförderung ansetze und in das man bis 2011 rund 44,4 Millionen Euro investieren werde.
Im Hinblick auf Mängel bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Ausbildungsabschlüssen versicherte er: "Wir arbeiten daran!" Zumal angesichts der demografischen Entwicklung in der Bundesrepublik und des zunehmenden internationalen Wettbewerbes um qualifizierte Arbeitskräfte verstärkte Anstrengungen unternommen werden müssten, den Fachkräftebedarf der Wirtschaft zu decken.
Mit Abkapselung nichts am Hut
Der schwierigen Aufgabe, direkt nach dem Ministerpräsidenten zu sprechen, wurden sowohl der Bayerische Landesvorsitzende als auch der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Adolf Fetsch, souverän gerecht.
Eduard Neuberger würdigte in seiner Rede das Engagement der Orts- und Kreisgruppe Augsburg, die sich zu einer der aktivsten und mitgliederstärksten Gliederungen der Landsmannschaft im gesamten Bundesgebiet entwickelt habe.
Durch die Wahl des Mottos "Wurzeln schlagen - Gesellschaft stärken", so Neuberger bei seiner Begrüßungsrede am zweiten Tag des Treffens, habe die Landesgruppe Bayern zum Ausdruck gebracht, was im Zentrum des Selbstverständnisses der Deutschen aus Russland stehe: "Wurzeln schlagen" als Sinnbild ihres Wunsches, nach Jahrzehnten der Diskriminierung in der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland endlich eine wirkliche Heimat zu finden. Und "Gesellschaft stärken" als Ausdruck ihres Einsatzes für die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens. Gar nichts am Hut habe man dagegen mit Abkapselung und der Bildung von Parallelgesellschaften.
Adolf Fetsch, langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Landesgruppe Bayern, brachte eingangs seine Freude über das erneute Zustandekommen eines Bayerischen Landestreffens in Augsburg zum Ausdruck und dankte allen Mitarbeitern für ihren vorbildlichen Einsatz.
Dank Mitarbeitern wie diesen sei es der Landsmannschaft über 60 Jahre hinweg möglich gewesen, der Verantwortung für die Deutschen aus Russland gerecht zu werden und ihren Beitrag zur Integration und Beheimatung einer leidgeprüften Volksgruppe in der Bundesrepublik zu leisten.
Bei aller Dankbarkeit der aufnehmenden Gesellschaft gegenüber dürfe man jedoch nicht die Dinge verschweigen, die nach wie vor im Argen lägen - stark rückläufige Spätaussiedlerzahlen und Probleme bei der Familienzusammenführung ebenso wie beispielsweise Fehlentwicklungen im Fremdrentenbereich oder die mangelnde Präsenz von Deutschen aus Russland in Parlamenten auf Bundes- und Länderebene.
Kulturelles aus ganz Bayern
Noch bunter und abwechslungsreicher als in den vergangenen Jahren war das Kultur- und Unterhaltungsprogramm, das die Organisatoren des Landestreffens auf die Beine gestellt hatten und in dem Musikgruppen, Sänger und Chöre, Tanzgruppen und Artisten aus allen Gegenden Bayerns vertreten waren, wie die folgende Aufzählung verdeutlichen soll:
Aus Augsburg waren der Chor "Heimatmelodie", das Vokalquartett "Rudemus", das Tanzstudio "Alissa", der Kinder- und Jugendclub "Glühwürmchen", die Kinder und Jugendlichen des Projektes "A hoch 3" sowie das Ensemble "Kasatschij Kraj" zu sehen.
Aus Bayreuth waren der Chor "Souvenir" sowie die Tanzensembles "Diamant" und "Orchidee" angereist.
Aus Franken waren das Tanzensemble "Birkenhain" und die Gesangsgruppe "Lustige Noten" gekommen, aus Memmingen die Zirkusgruppe "Die Quirligen" mit atemberaubender Bodenakrobatik und einer sensationellen "Schlangenfrau", aus Bad Abbach die Kinder der Musikschule von Victor Dukart, aus Ingolstadt und Schweinfurt die Chöre "Die singenden Herzen" bzw. "Harmonie", aus Rosenheim die Gesangsgruppe "Sibirjatschka", aus Altötting die Tanzgruppe "Freestyle" und aus Straubing die Jugendgruppe "Stern". (Wir bitten um Nachsicht, sollte jemand vergessen worden sein.)
Durch das Programm des ersten Tages führte der landsmannschaftliche Projektleiter Jakob Fischer, der auch selbst, musikalisch unterstützt von Eduard Frickel, Volkslieder sang und immer wieder zum Tanzen und Mitmachen aufforderte. Die Feierstunde des ersten Tages wurde von der Siebenbürger Blaskapelle aus Augsburg musikalisch umrahmt. Für Tanzmusik bis kurz vor Mitternacht war die Band "Presto" zuständig.
Ergänzt wurde das Programm durch eine Modenschau an beiden Tagen. Zahlreiche Unternehmer präsentierten ihre Produkte, und für das leibliche Wohl der Gäste war mit internationalen Spezialitäten zu ausgesprochen zivilen Preisen bestens gesorgt!
Fazit: Wer dieses Mal dabei war, wird auch im nächsten Jahr wieder kommen!
VadW
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