|

RUSSLANDDEUTSCHE
Die Kirche von Karlsruhe in der Ukraine

Während unserer Reise in die Ukraine Anfang Juni 2007konnten wir die frühere Kolonie Karlsruhe besuchen. Dabei ging es uns um die Erkundung der Lage um die ohne Dach dastehende katholische Kirche und das Kennenlernen des Dorfmuseums, in dem nach verschiedenen Berichten zahlreiche Exponate zur Geschichte und Kultur der Kolonie Karlsruhe ausgestellt sein sollten. weiter
Das „Scheunenmuseum“ von Reinhold Zielke:
Russlanddeutsche Kulturgeschichte zum Anfassen und Erleben

Das „Scheunenmuseum“, wie Reinhold Zielke die Unterkunft seiner Exponatensammlung nennt, liegt mitten im historischen Nidda – vor über zwei Jahrhunderten waren deutsche Auswanderer von hier an die Wolga aufgebrochen. Die Scheune ist ein ehemaliger Getreidespeicher, den der Niddaer Karl-Heinz Reinhardt dem passionierten Sammler Reinhold Zielke für seine Sammlung zur Verfügung stellte. In 18 Jahren in Deutschland hat Zielke Schätze zusammengetragen, die eine bewegte und bewegende Geschichte der verfolgten Volksgruppe darstellt. Mehr als 2.000 Ausstellungsstücke, meist Zeugnisse des deutschen Kulturlebens in Sibirien und anderen Regionen, hat Zielke angehortet, die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen zum Anfassen und Erleben präsentieren. Die Sammlung dokumentiert den Hin- und Rückweg der Russlanddeutschen von den Anfängen bis in die heutigen Tage und baut Brücken zwischen Ost und West. Und sie ist ein Beweis dessen, dass „wir zu einer Kultur gehören, dass die Kulturbande über die Zeiten, Grenzen, Kriege und Unterschiede hinweg nie abgebrochen sind“, sagt Zielke. weiter
Zeittafel von der Auswanderung nach Russland bis zur
Gründung der Landsmannschaft
1756-1763
Siebenjähriger Krieg, u. a. Auseinandersetzungen
zwischen Preußen und Rußland.
5.1.1762
Tod der Zarin Elisabeth I., Nachfolger Zar Peter
III., Enkel Peters des Großen. Mit ihm setzt sich
die Romanow-Dynastie in der rein deutschen Linie
Romanow-Holstein-Gottorp (Schleswig) fort. Er
heiratet 1745 als Herzog Karl Peter Ulrich von
Holstein-Gottorp (Haus Oldenburg) die Prinzessin
Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst.
19.6.1762
Friedensschluß zwischen Preußen und Rußland.
17.7.1762
Ermordung von Peter III. Seine Gattin steigt als
Katharina II. auf den russischen Thron.
22.7.1763
Manifest von Katharina II. der Großen mit dem
Aufruf an Ausländer zur Einwanderung nach Rußland.
19.3.1764
Kolonialkodex: Festlegung der Agrarordnung in den
Kolonialgebieten.
1764-1768
Massenansiedlung im Wolgagebiet; die Einwanderer
stammen überwiegend aus Hessen.
29.6.1764
Nishnaja Dobrinka wird als älteste wolgadeutsche
Kolonie gegründet, 1765 Balzer.
1765
Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeinde, 1727
entstanden in der sächsischen Oberlausitz, lassen
sich in Sarepta, nahe Zaryzin, mit der Aufgabe der
Kalmückenmission nieder.
1765-1767
Anlage der "Nördlichen Kolonien" im Umkreis von
St. Petersburg durch Hessen, Preußen,
Württemberger (Schwaben) und Badener.
1765-1766
Gründung von Riebendorf bei Woronesh durch
Schwaben und der Belowesh-Kolonien bei Tschernigow
durch Hessen und Rheinländer.
1782-1783
Deutsche Kolonisten aus der Danziger Gegend
siedeln im Schwarzmeergebiet, 1782 bei Cherson,
1783 bei Jekaterinoslaw (Dnjepropetrowsk).
1786-1789
Gründung von Alt-Danzig (1786), Fischerdorf und
Josefstal bei Jekaterinoslaw durch Preußen und
Schwaben.
1787-1791
Westpreußische Mennoniten gründen sechs
Niederlassungen in Wolhynien.
Juni 1789
Mennoniten wandern nach "Neurußland" ein und
gründen Chortitza ("Iltisbau") am Dnjeprufer. In
St. Petersburg leben rund 17.000 Deutsche.
1794
Gründung der Hafenstadt Odessa.
6.9.1800
Gnadenprivileg Pauls I. zugunsten der Mennoniten;
danach gründen sie die Halbstädter Kolonien und
Gnadenfeld.
1802-1859
Fast 110.000 Deutsche wandern in den Süden
Rußlands (Schwarzmeergebiet) ein, darunter ein
hoher Anteil von Schwaben (Württemberger) und
Alemannen (Elsässer und Badener).
1803
Ansiedlung von Deutschen (meist Schwaben) in
Odessa. Gründung einer evangelischen Gemeinde.
Großliebentaler Kolonie und Neusatz auf der Krim
von Schwaben aus Calw gegründet.
20.2.1804
Manifest Alexanders I. Einladung zur Ansiedlung
Deutscher im Schwarzmeergebiet; Freistellung vom
Militär.
1804
Prischiber Kolonien in Taurien bei Halbstadt und
Liebentaler Kolonien bei Odessa durch Badener,
Elsässer, Pfälzer und Schwaben gegründet.
1804-1810
Schwaben, Badener, Elsässer und Schweizer siedeln
auf der Krim.
1808-1809
Kutschurganer und Glückstaler Kolonien im
Odessagebiet von Badenern, Elsässern und Pfälzern
gegründet.
1809-1817
Beresaner Kolonie; unter den Siedlern sind auch
Bayern.
1812-1813
Vaterländischer Krieg. Türkei muß Bessarabien an
Rußland abtreten. Napoleon zieht in Moskau ein und
wird anschließend geschlagen.
1814-1815
Wiener Kongreß ("Neuordnung Europas"); Zar
Alexander I. erhält als König von Polen das Gebiet
Warschau ("Kongreß-Polen").
1814-1824
Deutsche Ansiedlung in Bessarabien. Die
Einwanderer bestehen hauptsächlich aus Schwaben,
Pfälzern, Bayern, Mecklenburgern, Pommern,
Schlesiern, Brandenburgern, Deutschen aus dem
Warschauer Raum sowie einigen Sachsen. Gründung
von Wittenberg (1814) und Leipzig (1815).
1816-1861
Westpreußen, Rheinländer, Pfälzer und Schwaben
wandern in Wolhynien ein.
1816-1818
Landnahme von schwäbischen Separatisten im
Südkaukasus.
1822-1831
Schwaben gründen Kolonien bei Berdjansk.
1823-1832
Katholiken und Lutheraner, vorwiegend aus
Schwaben, gründen die Planer, Grunauer und
Mariupoler Kolonien am Nordrand des Asowschen
Meeres.
1831
Gründung von Neu-Stuttgart im Kaukasus.
9.11.1838
Zar Nikolaus I. bestätigt die Privilegien der
Kolonisten.
1842
Kodifizierung aller Freiheiten, Pflichten und
Rechte der Kolonisten; Verleihung der Bürgerrechte
im ganzen Zarenreich.
1853-1856
Krimkrieg. Rußland erleidet empfindliche Einbußen.
1855 Fall von Sewastopol.
1854-1861
Mennoniten aus Westpreußen gründen Kolonien bei
Samara.
1861
Aufhebung der Leibeigenschaft über die russischen
Bauern.
1863
Einwanderung von Schlesiern und Warschau-Deutschen
nach Wolhynien. Hiermit endet 100 Jahre nach dem
Manifest von Katharina II. im großen und ganzen
die deutsche Einwanderung nach Rußland.
1867
2. Slawenkongreß in Moskau; Erstarken des
Panslawismus (1826 von J. Herkel geprägter
Begriff) unter russischer Führung.
1869-1873
Kronau-Orloff, Tochterkolonien von Prischiber und
Halbstädter Mennoniten, gegründet.
18.1.1871
Gründung des Deutschen Reiches durch Bismarck.
4.6.1871
Aufhebung des Kolonialstatuts durch die
Zarenregierung Alexanders II. Abschaffung der
Selbstverwaltung der deutschen Gebiete. Beginn der
Auswanderung nach Nordamerika.
1872-1873
Rund 13.000 Mennoniten wandern nach Nordamerika
aus.
13.1.1874
Allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Den Mennoniten
bietet man als Ersatz den Dienst im Forstwesen an.
1874
Vermehrte Auswanderung nach Nord- und Südamerika.
1877-1878
Russisch-türkischer Krieg. Erster politischer
Erfolg des Panslawismus. Deutsch-russische
Entfremdung.
1879
Lage der Deutschen in Rußland durch Bündnis
Deutschlands mit österreich verschlechtert.
13.3.1881
Thronbesteigung Alexanders III. Nach der Ermordung
Alexanders II. beginnende Russifizierung durch
einen offen gegen Deutschland gerichteten "Panrussismus".
1882
Deutsche Siedlungen (Tochterkolonien) bei Pischpek
(Frunse) und Aulie-Ata (Dshambul) in
Russisch-Turkestan.
1884
Deutsche Siedlungen bei Chiwa südlich des
Aralsees.
1885
Gründung der evangelisch-lutherischen Kirche in
Taschkent.
1887
Manifest Alexanders III.: "Rußland muß den Russen
gehören."
1891
Obligatorische Einführung des Russischen als
Unterrichtssprache an den Schulen.
1893
Eine Welle des "Russismus" setzt ein. Die Namen
der deutschen Siedlungsgebiete werden teilweise
russifiziert.
1894
Der letzte russische Zar Nikolaus II. aus dem
Hause Romanow-Holstein-Gottorp gelangt auf den
Thron. Deutsche Siedlungen (Tochterkolonien) bei
Orenburg.
1895
Deutsche Siedlungen bei Akmolinsk (Zelinograd) in
der kasachischen Steppe.
1897
Nach einer Volkszählung leben 390.000 Deutsche an
der Wolga, 342.000 im Süden Rußlands, 237.000 im
Westen Rußlands und 18.000 in Moskau.
1901-1911
Rund 105.000 deutsche Siedler wandern aus Rußland
nach Amerika aus.
1903
Verbot der deutschen Ansiedlung in Turkestan.
Judenpogrome in Bessarabien (Kischinjow).
1904-1905
Russisch-japanischer Krieg. Niederlage Rußlands
führt zu teilweiser Liberalisierung.
Siedlungsstrom nach Sibirien in die Gebiete Omsk
und Tomsk.
1906-1910
Agrarreform durch Ministerpräsident Stolypin
(ermordet am 18.9.1911 in Kiew).
1906-1907
Deutsche Siedlungen bei Ufa im Westural (1906) und
bei Aktjubinsk im Südural (1907).
1908
Geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet bei
Slawgorod in der Kulunda-Steppe.
1909
Gemäß dem Stolypin'schen Gesetz wandern
massenweise neue Siedler nach Westsibirien und
Nordturkestan und gründen neue Tochterkolonien (Pawlodar,
Karaganda, Nowosibirsk, Krasnojarsk, Irkutsk u.a.).
1914
Nach einer Volkszählung leben in Rußland insgesamt
2.416.290 Deutsche. Ohne das Baltikum, Ostpolen
und Wolhynien sind es allein in Zentralrußland
über 1.700.000 Deutsche.
1.8.1914
Beginn des I. Weltkrieges. Das Deutsche Reich wird
zum Feind des Zarenreiches erklärt. Etwa 300.000
Deutsche dienen trotzdem in der russischen Armee.
Obwohl sie russische Staatsbürger sind, wird ihr
Grundbesitz beschlagnahmt. Die deutschen Ortsnamen
werden 1914 durch russische ersetzt.
2.2.1915
Liquidationsgesetz: Die im Grenzstreifen bis 150
Kilometer lebenden Deutschen sollen nach Sibirien
umgesiedelt werden. Über 50.000 Wolhyniendeutsche
werden nach Sibirien verschleppt.
27.5.1915
Pogrome gegen Deutsche in Moskau. Viele Geschäfte
werden geplündert, 40 Deutsche verwundet, drei
ermordet.
15.3.1917
Abdankung Nikolaus II. durch die
Februar-Revolution. Aufhebung der
Liquidationsgesetze durch die Provisorische
Regierung unter Ministerpräsident Lwow.
20.-23.4.1917
Erster gesamtdeutscher Kongreß in der Geschichte
der Deutschen aus Rußland in Odessa. Gründung
eines Zentralkomitees aller Rußlanddeutschen (86
Vertreter der deutschen Siedlungsgebiete aus 15
Gouvernements). 1. Kongreß der Wolgadeutschen in
Saratow; 2. Kongreß der Wolgadeutschen in
Schilling.
7.11.1917
Bolschewistische Oktoberrevolution in Petrograd.
Beginn der Sowjetdiktatur Lenins. Sturz der
Provisorischen Regierung unter Kerenski.
3.3.1918
Frieden von Brest-Litowsk zwischen Deutschland und
Rußland. Repatriierungsklausel zugunsten der
Rußlanddeutschen. Auf Wunsch werden von deutscher
Seite Schutzbriefe an Volksdeutsche ausgestellt.
Davon wissen aber nur sehr wenige, und es gelingt
nur einzelnen Personen, in den Westen zu kommen.
Verzicht Rußlands auf das Baltikum und Polen.
Bessarabien kommt zu Rumänien.
April 1918
Schaffung eines "Kommissariats für deutsche
Angelegenheiten an der Wolga" unter Leitung von
Ernst Reuter.
1918
Laut einer Volkszählung leben in Rußland 1.621.000
Deutsche.
16.7.1918
Ermordung der Zarenfamilie in Jekaterinburg.
9.11.1918
Novemberrevolution in Deutschland. Abschaffung der
Monarchie, Abdankung von Kaiser Wilhelm II.
Trotzkis kommunistische "Permanente
Weltrevolution" scheitert in Deutschland.
1919
Requirierung der gesamten Ernte durch die
Bolschewiken. Aufstände im Odessaer Gebiet gegen
die Armee der neuen Machthaber. Sogenanntes "Rotes
Massaker" gegen die Bauern. Viele Männer werden
standrechtlich erschossen.
1920
Schließung des katholischen Priesterseminars.
1921-1923
Größte Mißernte und Hungersnot, bedingt durch
Revolution, Bürgerkrieg und Enteignung. Starke
Auswanderung aus den Siedlungsgebieten. Die
Bevölkerungszahl der Deutschen verringert sich um
26,5 Prozent.
1921-1927
Neue ökonomische Politik (NöP). Vorübergehende
Erholung in den deutschen Gebieten.
16.4.1922
Rapallo-Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und
der Russischen Sozialistischen Föderativen
Sowjetrepublik (RSFSR) durch Rathenau und
Tschitscherin. Gegenseitiger Verzicht auf
finanzielle Forderungen und Aufnahme von
diplomatischen Beziehungen.
30.12.1922
1. Sowjetkongreß verkündet die Bildung der "Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken".
16.5.1923
Gründung des Allrussischen Mennonitischen
Landwirtschaftlichen Verbandes.
9.11.1923
Erneuter Versuch von Sinowjew und Radek, in
Deutschland die "Weltrevolution" fortzusetzen,
scheitert.
16.1.1924
Gründung der Autonomen Sozialistischen
Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (ASSRdWD) mit
der Hauptstadt Engels (Pokrowsk).
1926
Laut Volkszählung leben in der Sowjetunion
1.238.539 Deutsche. Letzte Versuche, über Sibirien
und China nach Amerika auszuwandern. Die USA
stellen in Wladiwostok Schiffe zur Verfügung. Ein
Teil der Flüchtlinge wird unterwegs gestoppt und
bei Omsk und Tomsk angesiedelt.
1927
Gründung des Deutschen Rayons im Altaigebiet.
Deutsche Siedlungen am Amur; das sind zugleich die
letzten Siedlungsneugründungen.
1928
Beginn der Kollektivierung, Deportation der
enteigneten Mittelbauern in den hohen Norden und
nach Sibirien. Schließung der Kirchen.
Ende 1929
Rund 14.000 Deutsche aus allen Teilen des Landes
kommen nach Moskau in der Hoffnung, eine
Ausreisegenehmigung zu erhalten. Nach langen
Verhandlungen werden 5.671 in Deutschland - nur
zur Durchreise! - aufgenommen und nach Nord- und
Südamerika weitergeleitet. Die anderen werden
gewaltsam zurücktransportiert.
1930
50.000 Deutsche von der ersten Massendeportation
betroffen.
1932-1933
Zweite sowjetische Mißernte als Folge von
Zwangskollektivierung und Enteignung. Ungezählte
Deutsche an der Wolga und in der Ukraine sterben
den Hungertod.
1933-1939
Terrorwelle sichert Stalins Alleinherrschaft. Das
Moskauer Hotel "Lux" wird Exilort deutscher
Kommunisten aus dem Mutterland.
1935
600 Deutsche werden aus Aserbaidschan nach
Karelien deportiert.
1936
Verband der Deutschen aus Rußland e.V. in
Deutschland gegründet.
1937
Sämtliche deutsche Kirchen entweiht; kein
deutscher Pfarrer mehr im Amt.
1937-1938
Dunkelstes Kapitel für die Rußlanddeutschen in der
Vorkriegszeit. Zahlreiche Todesopfer unter der
deutschen Bevölkerung während der stalinistischen
"Säuberungen".
1938
In allen deutschen Schulen außerhalb der
Wolgadeutschen Republik wird Russisch bzw.
Ukrainisch als Unterrichtssprache eingeführt.
1938-1939
Auflösung aller deutschen Rayons außerhalb der
ASSRdWD.
23.8.1939
Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen
Nichtangriffspaktes durch die Außenminister von
Ribbentrop und Molotow.
1.9.1939
Beginn des II. Weltkrieges. Nach einer
Volkszählung leben in der Sowjetunion 1.424.000
Deutsche in überwiegend geschlossenen Siedlungen
(95 Prozent Deutsch als Muttersprache).
1940
80.000 Deutsche verlassen Bessarabien und siedeln
sich im Wartheland (Warthegau) an. Bessarabien und
die Baltischen Staaten werden der UdSSR
einverleibt.
22.6.1941
Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges. Odessa
wird im Sommer von deutschen und rumänischen
Truppen belagert und von der Roten Armee nach 69
Tagen aufgegeben. Deutsche von der Krim, aus dem
Kaukasus und den Teilen des Schwarzmeergebietes
östlich des Dnjeprs werden nach Sibirien und
Mittelasien deportiert.
19.7.1941
Stalin übernimmt den Posten des Volkskommissars
für Verteidigung und somit auch das Oberkommando
über die Rote Armee.
8.8.1941
Einmarsch rumänischer Truppen im westlichen
Schwarzmeergebiet; die Kirchen werden wieder
geöffnet.
25.8.1941
Die Deutsche Wehrmacht besetzt Dnjepropetrowsk.
Die Deutschen westlich des Dnjeprs entgehen
weitgehend der Verbannung.
28.8.1941
Der berühmt-berüchtigte Erlaß des Obersten Sowjets
der Sowjetunion führt zur Auflösung der Republik
der Wolgadeutschen und zur totalen Deportation der
Bevölkerung nach Sibirien und Mittelasien in die
Lager der Trudarmee. Innerhalb von zehn Tagen
werden rund 350.000 Wolgadeutsche in die
Ostregionen der UdSSR verschleppt.
1941-1946
Knapp eine Million Rußlanddeutsche sind vom
Schicksal der Deportation betroffen. Eine Unzahl
von Menschen fällt diesem Wahnsinn zum Opfer. Die
Familien werden getrennt.
30.8.1941
Gebiet zwischen Dnjestr und Bug einschließlich
Odessa unter rumänischer Verwaltung laut
Vereinbarung mit dem Deutschen Reich. Das Gebiet
nennt sich Transnistrien. Darin eingebunden sind
die alten deutschen Mutterkolonien der
Großliebentaler, Kutschurganer, Glückstaler und
Beresaner. Ausstellung von Volkstumsausweisen an
die deutsche Bevölkerung.
5.10.1941
Die Rote Armee verläßt das linke Dnjeprufer. Die
Ukraine steht unter deutscher Verwaltung. Bildung
des Reichskommissariats Ukraine unter Leitung von
A. Rosenberg.
Februar 1943
Schlacht bei Stalingrad, Wende an der Ostfront.
1943-1944
Einberufung von rußlanddeutschen Wehrfähigen in
die Deutsche Wehrmacht.
März - April 1944
Mit dem Rückzug der Deutschen Wehrmacht werden
rund 350.000 Deutsche aus der Ukraine und
Transnistrien im Warthegau angesiedelt, einige von
ihnen auch im Sudetengau. Erwerb der deutschen
Staatsangehörigkeit.
10.4.1944
Rückeroberung Odessas durch die Rote Armee.
September 1944
Sämtliche eingebürgerten wehrpflichtigen Männer
werden eingezogen.
12.1.1945
Beginn der sowjetischen Winteroffensive. Flucht
nach Westen. Ankunft in Dörfern in Sachsen,
Thüringen und Brandenburg.
April 1945
Die Amerikaner besetzen ganz Thüringen und einen
großen Teil Sachsens. Später, gegen Ende Juni
1945, ziehen sie sich zurück und überlassen
Sachsen und Thüringen den Sowjets.
9.5.1945
Bedingungslose Kapitulation der Deutschen
Wehrmacht in Berlin-Karlshorst.
5.6.1945
"Berliner Erklärung" der vier Siegermächte:
Einteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen.
Juni - Juli 1945
Massenweise Zurückverschleppung der
Rußlanddeutschen aus allen Besatzungszonen nach
Sibirien und Mittelasien.
2.8.1945
Unterzeichnung des "Potsdamer Abkommens".
Vereinbarung, daß jede Besatzungsmacht "ihre"
Bürger ins eigene Land zurückbringen darf. Für
jeden ehemaligen Sowjetbürger deutscher
Nationalität, der aus Deutschland deportiert wird,
werden 200 US-Dollar Kopfgeld als Kriegsschuld für
Deutschland angerechnet.
1947
Durch eine Wirtschaftskrise und die Mißernte von
1946 bricht in der UdSSR eine katastrophale
Hungersnot aus. Gewaltige Zahl von Todesopfern
unter den Rußlanddeutschen in den Lagern der
Trudarmee.
26.11.1948
Dekret des Obersten Sowjets: Verbannung der
Rußlanddeutschen auf "ewige Zeiten"
festgeschrieben; Verlassen der Ansiedlungsorte
ohne Sondergenehmigung mit Zwangsarbeit bis zu 20
Jahren bedroht.
23.5.1949
Verkündigung des Grundgesetzes der Bundesrepublik
Deutschland.
21.9.1949
Gründung der Bundesrepublik Deutschland; einen Tag
zuvor Bildung der ersten Bundesregierung unter
Kanzler Adenauer.
7.10.1949
Gründung der Deutschen Demokratischen Republik.
22.4.1950
Beschluß zur Gründung der "Arbeitsgemeinschaft der
Ostumsiedler e.V." in Stuttgart, Archivstraße 18.
5.8.1950
"Charta der deutschen Heimatvertriebenen" der
Landsmannschaften der Vertriebenen in Stuttgart;
Mitunterzeichner: Dr. Gottlieb Leibbrandt,
Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler
(ab August 1955 Landsmannschaft der Deutschen aus
Rußland e.V.).
15.10.1950
Erste Bundesdelegierten-Versammlung mit
Konstitution in Kassel. Erster Bundesvorsitzender:
Dr. Gottlieb Leibbrandt. Zu den Persönlichkeiten
der ersten Stunde gehören außerdem: Superintendent
Johannes Schleuning, Pfarrer Heinrich Römmich,
Studienrat Dr. Karl Stumpp, Gertrud Braun, Prof.
Dr. Benjamin Unruh und Prof. Wilfried Schlau.
Ende 1950
12,2 Millionen Vertriebene in Deutschland, davon
8,1 Millionen in der Bundesrepublik, darunter nur
70.000 Rußlanddeutsche, also weniger als ein
Prozent; in der DDR befinden sich 4,1 Millionen
Vertriebene, darunter lediglich 5.000
Rußlanddeutsche.
Dezember 1950
Erscheinen der ersten Ausgabe von "Volk auf dem
Weg", der Monatsschrift der Landsmannschaft,
damals noch als "Mitteilungen der
Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler" mit Sitz in
Stuttgart.
12.5.1951
Erstes Bundestreffen der Rußlanddeutschen
(Ostumsiedler) in Stuttgart.
|